Fakultät der Symbolkunde

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Danziger Banknoten des 19 Jhd.

Die erneute Einnahme der Stadt durch Preußen 1814 unterbrach für fast genau 100 Jahre die Ausgabe eigenen Geldes durch die Danziger. Die noch umlaufenden Danziger Münzen aus der Zeit vor den Teilungen Polens und aus der Zeit der 1 Freien Stadt beließ man noch bis 1821 im Umlauf, um sie dann auf Grundlage eines königlichen Ediktes einzuziehen. Seit dem lief in Danzig, wie auch in ganz Preußen preußische Scheide- und Kurantmünze um. Mit der Zeit kamen auch immer mehr preußische Banknoten dazu. Nach Gründung des Deutschen Reiches entsprechend Münzen und Banknoten des Kaiserreiches. Erst als in Erwartung eines nahenden Krieges – der später der 1 Weltkrieg genannt wurde – gemäß dem Greshamschen Gesetz aus dem Umlauf alle Edelmetallhaltigen Münzen verschwanden, hat der Magistrat der Stadt Danzig, nach Vorbild anderer Städte, bei Duldung der Behörden, städtisches Notgeld in Umlauf gebracht.
Jedoch auch in diesen hundert Jahren liefen Banknoten um, die wegen ihrem Ausgabeort und der gezeigten Symbole mit Fug und Recht zur Geschichte der Danziger Numismatik gerechnet werden.
Die Geschichte dieser Banknoten begann 1856, als eine Gruppe von zehn Danziger Bürgern beschloss nach Vorbild anderer Städte auch in Danzig eine Zettelbank zu gründen. Die Bank sollte die Rechtsform einer Aktiengesellschaft haben. Ihre Gründung erforderte die Vorlage eines fertigen Statutes dem König zur Genehmigung. So ein Statut wurde wahrscheinlich Anfang 1857 vorgelegt, durch Erlass vom 16 März 1857 wurde es mit einer unwesentliche Änderung vom König genehmigt. Nach seiner Veröffentlichung am 22 April 18571 stand der Aufnahme der Geschäfte nichts mehr im wege und so begann die Bank am 17 Juni 18572 ihr Werk.
Das Statut sah für die Bank den Namen "Danziger Privat-Aktienbank" vor. Wie in § 1 angegeben waren "Handel und Gewerbe zu unterstützen zu befördern und zu beleben" Sinn und Zweck der Bank.
Die Ausgabe von Banknoten regelten die §§ 15 – 18, 20 und 48. Die Bank war berechtigt Noten im Wert von 10, 20, 50, 100 und 200 Taler, mit einem Gesamtnennwert von 1 Million Taler in Umlauf zu bringen. Der § 16 bestimmte die Obergrenzen für die einzelnen Werte und so durften Banknoten zu 10 und 20 Taler für bis zu je 100.000, zu 50 Taler für bis zu 300.000 Taler ausgegeben werden. Die restlichen 500.000 Taler sollten also (ohne dass es ausdrücklich im Statut vorgeschrieben wurde) in Noten zu 100 und 200 Taler umlaufen. Bereits nach kurzer Zeit stellte sich jedoch heraus, dass die Noten zu 200 Taler nur geringen Umlauf haben würden und so hat man 1858 eine Änderung des § 16 genehmigt bekommen, die es ermöglichte das Limit der Noten zu 20 Taler auf 300.000 Taler zu erhöhen unter gleichzeitiger Absenkung der Obergrenze für die beiden höchsten Nominale um die gleiche Summe3. Mit der Ausgabe, der anfänglich im Typographischen Institut Giesecke & Devrient in Leipzig gedruckten Banknoten, begann man wahrscheinlich kurz nach Eröffnung der Bank, denn auf den ältesten Banknoten steht als Ausgabedatum der 1 Juli 1857. Auf die Ausgabe von Noten zu 200 Taler hat man am Ende ganz verzichtet.
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Sitz der Bank, Langgasse 32/34

Filiale Langfuhr

Filiale Zoppot

Gemäß § 18 des Statutes sollten die umlaufenden Banknoten zu mindesten 1/3 in gemünztem Gelde, zu mindestens einem weiteren drittel in diskontierten Wechseln und im letzten drittel in Effekten die Eigentum der Bank waren, gedeckt werden. Diese Summen waren in einer gesonderten Kasse "unter dreifachem Verschluss" aufzubewahren. Somit ermöglichte die Berechtigung Banknoten in Umlauf zu bringen, der Bank zusätzlich die Summe Geldes auf den Markt zu bringen, die nicht durch gemünztes Geld gedeckt war: in diesem Fall bis zu knapp 670.000 Taler.
Nach der Einführung der Markwährung des Deutschen Reiches, 1873, setzte die Danziger Privat -Aktienbank die Ausgabe von Banknoten fort, beschränkte sich jedoch auf nur einen Wert – auf 100 Mark Noten. Die Berechtigungen einer Zettelbank verlor sie endgültig zum 1 Januar 18914 . Die noch umlaufenden Banknoten verloren mit dem 1 Juni 1891 des Status von Zahlungsmitteln, sie wurden zu einfachen Schuldscheinen, die bis Ende 1892 die Bank noch verpflichtet war einzulösen. Die Vorschriften wie man mit Summen zu verfahren hat, die zu Deckung von Banknoten dienten, die nicht eingelöst wurden, finden wir im letzten Abschnitt des § 48 des Statuts: sie sollen der Stadtgemeinde Danzig zu wohltätigen Zwecken überwiesen werden.
Letztendlich hat die Danziger Privat – Aktienbank in den 33 Jahren ihres Wirkens als Zettelbank folgende Banknoten in Umlauf gebracht5:
Datum
Nennwert
1 Juli 1857
10, 20, 50, 100 Taler
1 September 1862
10 Taler
2 Januar 1865
20 i 50 Taler
1 Juli 1867
100 Taler
1 Mai 1871
100 Taler
1 März 1873
100 Taler
1 Juni 1875
100 Mark
1 Juni 1882
100 Mark*
1 Juni 1887
100 Mark**
  * diese Note ist in zwei Varianten mit unterschiedlichen Unterschriften bekannt
** von dieser Note ist auch eine Druckprobe bekannt
Da keinerlei Spuren der Verfahren auffindbar sind, die der § 20 des Statuts für den Fall eines Umtausches von Banknoten vorschreibt, ist davon auszugehen, dass die sich leicht voneinander unterscheidenden Ausgaben den Noten nebeneinander umliefen
Die Vorderseite all dieser dem Geschmack der Zeit entsprechenden Noten, zeigte stets neben den üblichen Elementen, wie dem Nominal in Worten und Zahlen, dem Namen des Herausgebers, dem Versprechen des Einlösens, der Vorwarnung eines möglichen Umtausches, auch das Grosse Wappen der Stadt: auf Talernoten oben, auf Marknoten unten. Ungewöhnlich war die dreisprachige Wertangabe auf den Scheinen zu 10 Taler: deutsch, französisch und englisch. Diese kleinste der Noten reiste wohl häufiger in den Taschen der Seeleute in Europa herum also griff man zu diesem einfachen Mittel um ihre Akzeptanz im Ausland zu erhöhen. Nicht alltäglich ist auch die dreifache, in drei Zeilen, Wiederholung der Strafandrohung für fälschen und nachmachen der Noten auf den Scheinen zu 100 Taler.
Auf den Rückseiten aller Banknoten, von der ersten bis zur letzten Ausgabe, finden wir im Grunde genommen inner die gleiche allegorische Gruppe von vier Personen – auf den Marknoten umgeben von einem Ornamentrahmen. Die im Zentrum erhöht auf Packstücken wie auf einem Thron sitzende Frauengestalt unter der Mauerkrone, mit dem Dreizack in der Hand, soll die Gedania darstellen. Ihre Füße ruhen auf etwas, das lebhaft an Kanonenrohre erinnert. Zu beiden Seiten selbiger reichen einander sitzend die Hände: Die Weichsel links und die Ostsee rechts, wobei der Grad der Blöße aller weiblichen Gestalten gemäß der Vorstellungen jener Zeiten zugleich den Grad der "Wildheit" definiert. Unterhalb dieser Personengruppe sehen wir die Symbole der Quellen des Danziger Reichtums: Merkurstab, Schiffsanker, Fischernetz, Münzrollen, volle Säcke, Kisten und Pakete. Um Missverständnisse über den Inhalt der letztgenannten zu vermeiden, tragen die Münzrollen die Aufschrift "100", und je eine Kiste und ein Sack sind in geöffnetem Zustand gezeigt: sie beinhalten Münzen. Die interessanteste der vier Personen dieser Gruppe ist wohl der fast ganz hinter der Gedania versteckte Merkur. Dieser antike Gott der Kaufleute und Diebe hält ein Wappenschild in Händen, auf dem recht undeutlich ein Wappen zu sehen ist, das man auf in Preußen umlaufenden Banknoten eigentlich nicht erwarten sollte. Manche Quellen behaupten, es sei das Wappen der 1 Freien Stadt Danzig, andere wiederum, es sei das Wappen des Fürstentums Danzig, das Napoleon 1807, nach der Eroberung der Stadt, einzig zu dem Zwecke geschaffen hat, den Sieger von Danzig, den Marschall Lefebvre, damit zu belehnen. Wie dem auch sei, es erklärt nicht was es auf in Preußen umlaufenden Banknoten zu suchen hat, um so mehr, das der § 15 des Statuts der Bank vorschreibt: "Die Form der Banknoten unterliegt der Genehmigung, bzw. der Beaufsichtigung der Regierung".
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Ausschnitt mit dem sonderbaren Wappen

Das angebliche Wappen der 1. Freien Stadt Danzig

Wappen des Marschalls Lefebvre

Im Hintergrund der beschriebenen Gruppe sieht man links den Umriss des Rechtstädtischen Rathauses und des ihm gegenüber stehenden Schumannschen Hauses, beide vom Langen Markt aus gesehen. Zwischen der "Weichsel" und der Gedania ist der Umriss eines Türmchens, wahrscheinlich des auf dem Dach des Englischen Hauses befindlichen erkennbar. Recht der Gruppe befinden sich einige recht schematisch dargestellte Wasserfahrzeuge: zwei Segelschiffe, ein Ruderboot und als Symbol der Moderne ein Raddampfer.
Von den 13 Geldscheinen, die nachweißlich von der Danziger Privat – Aktienbank in Umlauf gebracht worden sind, haben nur sehr wenige Exemplare bis in unsere Zeiten überdauert. Bis 1960 gab es in polnischen Sammlungen kein einziges Exemplar6. In Auktionen tauchen sie in Jahrzehnte langen Abständen auf. In deutschen öffentlichen Sammlungen befinden sich acht verschiedene Banknoten, von denen sieben – die nachfolgend abgebildeten – in der Geldscheinsammlung der Deutschen Bundesbank.
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10 Taler von 1857 Vorderseite

10 Taler von 1857 Rückseite

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10 Taler von 1862 Vorderseite

10 Taler von 1862 Rückseite

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20 Taler von 1865 Vorderseite

20 Taler von 1865 Rückseite

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50 Taler von 1865 Vorderseite

50 Taler von 1865 Rückseite

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100 Taler von 1867 Vorderseite

100 Taler von 1867 Rückseite

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100 Taler von 1873 Vorderseite

100 Taler von 1873 Rückseite

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100 Mark von 1882 Vorderseite

100 Mark von 1882 Rückseite

Anmerkungen:
1Gesetz – Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten, 1857, Berlin 1857, S. 241 – 264
2Gliñski, M. i Kukliñski, J., Kronika Gdañska. Bd. 1, Gdañsk 1998
3Denkschrift zum fünfzigjährigen Bestehen der Danziger Privat – Aktienbank 1857 – 1907, Danzig 1907, S. 43
4Reichsgesetzblatt Bd. 1890, No. 38, S. 213 - 214
5alle Angaben in der Tabelle nach: Schöne, Michael H. : Das Papiergeld in der Freien Stadt Danzig. S. 103 ff
6Gumowski, Marian i Pelczar, Marian "Pieni±dz gdañski 1814 – 1939", S. 11, Gdañsk 1960

Bearbeitet von: virt. Prof. Alterschotte

Bilder:
1, 2 und 3 Denkschrift zum fünfzigjährigen Bestehen der Danziger Privat – Aktienbank 1857 – 1907, Danzig 1907
4 Ausschnitt einer der Noten
5 Internet
6 fr.wikipedia.org
7 – 13 Geldscheinsammlung der Deutschen Bundesbank


12 Januar 2011
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