Fakultät der Parageschichte

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Zwei liebenden aus dem Johannisviertel

Er wohnte in der Johannisgasse, sie in der Häckergasse. Sie waren jung und verliebt. Eines Tages, in einer dunklen Winkelgasse zwischen der Johanniskirche und den Mietshäusern an der Häckergasse, dicht bei dem nördlichen Tor der Kirche, schworen sie sich ewige Liebe. Sie versprachen sich auch, dass entgegen jeglichen Hindernissen, Mangel an Geld und Akzeptanz der Familie, sie irgendwann in dieser Kirche heiraten werden. Den gotischen Giganten als Zeugen ihres Versprechens nehmend, legten beide eine ihrer Hände auf die kalten Backsteine der Mauer.
Das war in Frühling 1939. Die Welt zitterte vor Anspannung. Das alte hanseatische Danzig näherte sich, ohne davon zu wissen, seinem Ende. Die Leute standen trotzdem täglich morgens auf, arbeiteten die ganze Woche, ruhten sich am Sonntag aus. In der Stadt und in der ganzen Welt starben Greise und Kinder wurden geboren, wie schon seit Urzeiten.
Niemand weiß was mit dem Pärchen aus dem Johannisviertel passierte. Das Viertel teilte das Schicksal der Stadt und ging im Frühling 1945 in Flammen unter.
Viele Jahre später, wollten gerade ein Paar Maler die hintere Wand des Hauses in der Häckergasse 23 neu malen. Sie bauten das Gerüst auf, bereiteten die Eimer mit Farbe vor. Auf einmal tauchte ein älterer Herr auf, der aussah wie ein deutscher Tourist. Der Anblick deutscher Rentner, behangen mit teuren japanischen Fotoapparaten wunderte niemanden in Danzig. Doch im Verhalten dieses Menschen war etwas Seltsames. Nirgendwo war der Rest einer Ausflugsgruppe zu sehen, er hatte keine Kamera, auch schaute er sich nicht mit der typischen Neugierde eines Touristen um. Langsam nährte er sich dem, mit brettern vernageltem, blinden Portal der Kirche, hielt an, und stand mit gesenktem Kopf da. Er reagierte nicht auf die Frage, ob alles in Ordnung mit ihm sei, die auf polnisch gestellt wurde, da keiner der Maler deutsch konnte. Also beobachteten sie ihn nur, mit gesenkter Stimme Ansichten austauschend, die diese seltsame Gestallt betrafen. Plötzlich drehte der ältere Herr sich um, schritt ohne ein Wort zu einem der Kübel mit weißer Farbe, der in der Nahe stand, tauchte seine Handfläche hinein, und, bevor irgendjemand sein Vorhaben verstand, hinterließ er einen weißen Abdruck auf den dunkelroten Ziegeln. Keiner der Maler reagierte, auch trauten sie sich nicht den Abdruck der Hand von der Wand zu wischen. Sie spürten, dass sich dahinter etwas wichtiges, verbarg, etwas vergangenes, vielleicht eine Tragödie... Umso mehr, als dieser Mensch sich von der Mauer der Kirche abwandte, und sie Tränen in seinen alten Augen erblickten.
Schweigend schauten sie ihn nach, als er in Richtung Neunaugengasse gehend, die von Farbe beschmutzt Hand, mit einem Taschentuch säuberte.
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Gefunfen von virt. Prof. Grün
Übersetzt von Frosch
9 September 2004 (pl)
23 März 2008 (de)
© 2004 Aleksander Mas³owski

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