Fakultät der Gestaltenkunde


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Geschichte zweier Brüder

In einem entfernt verwandtem Teil meiner Familie erblickten um 1910, im Abstand von 2 Jahren, zwei Brüder das Licht der Welt. Obwohl sie von unpolitischen Eltern erzogen gemeinsam aufwuchsen, zeigten beide ab ca. 1930 Symptome von Nationalität: der eine meinte ein hundertprozentiger Pole, der zweite ein „Noch-Mehr-Prozentiger“ Deutscher zu sein. Beide heirateten Frauen die ihre Ansichten teilten und verhielten sich entsprechend – KKS Sokó³ und SA. Obwohl die beiden jungen Familien nahe beieinander im Stadtgebiet wohnten, waren sie einander spinnefeind.
Ab Herbst 1939 begann man beide für ihre aufrechte Haltung zu belohnen. Noch im September steckte man den polnischen Bruder ins KZ Stutthof, wo er fast bis ans Ende des Krieges blieb, dem deutschen Bruder dagegen verpasste man einige Monate später das „Ehrenkleid der Nation“ sprich eine Wehrmachtsuniform – in den nächsten 5 Jahren durfte er an wohl allen Fronten Europas seinen Patr(id)iotismus unter Beweis stellen.
Zu guter letzt behandelte das Schicksal die beiden Brüder ziemlich gerecht: beide kamen in der letzten Märzwoche 1945 in der nähe ihrer geliebten Heimatstadt ums Leben – der polnische Bruder wurde in Stutthof von einem Wachmann erschlagen, der deutsche Bruder bei Gdingen, bereits in Gefangenschaft, von einem Rotarmisten. Die beiden Witwen, die schon seit Sommer 1945 vom Tot ihrer Männer wussten, versöhnten sich im Herbst des gleichen Jahres herzlichst und dauerhaft miteinander. Sie taten es unter vielen Tränen und mit noch mehr Gejammer in dem Eisenbahnwaggon, in dem man beide samt ihren Kindern gemeinsam aus Danzig vertrieb.

virt.Prof. Alter Schotte

16 Februar 2007 (pl)
18 Februar 2007 (de)
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